Artikel abgelegt unter ‘A. Artikels’
Studentendemos in Teheran; Iran schlägt Proteste nieder
sueddeutsche.de 09.07.2009
In Iran hat die Polizei erneut Proteste von Studenten gewaltsam niedergeschlagen. Unterstützt von Mitgliedern der berüchtigten Bassidsch-Miliz setzten die Polizisten massiv Tränengas ein, um eine Demonstration von etwa 250 Anhängern der Reformbewegung aufzulösen.
In Iran hat die Polizei am Donnerstag erneut Proteste von Studenten gewaltsam niedergeschlagen. Unterstützt von Mitgliedern der berüchtigten Bassidsch-Miliz setzten die Polizisten Tränengas ein, um eine Demonstration von etwa 250 Anhängern der Reformbewegung an der Universität von Teheran aufzulösen, wie Augenzeugen berichteten. “Die Polizei schießt in die Luft. Sie haben mehrere Menschen verhaftet”, sagte ein Demonstrant. (… mehr)
Souveräner Rentenstaat: Zur politischen Ökonomie des Iran und seiner geostrategischen Bedeutung
Werner Ruf (junge Welt)
Prof. em. Dr. Werner Ruf ist Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats von CASMII.
Iran ist ein Rentenstaat. Kurz auf den Punkt gebracht bedeutet dies: 1. Der weit überwiegende Teil des Staatseinkommens stammt aus relativ unproduktiver, auf den Export von Rohstoffen gerichtete Tätigkeit, die zwar Devisen ins Land bringt, aber keinen nennenswerten Mehrwert schafft. Typisch hierfür sind die Förderung und der Export von Öl und Erdgas.
2. Die Kontrolle der Renteneinkünfte und der mangels eigener wirtschaftlicher Entwicklung notwendigen Importe von Lebensmitteln und Konsumgütern stellt für die herrschenden Gruppen (»Staatsklasse«) die zentrale Quelle ihrer Bereicherung dar und sichert durch die Umverteilung eines Teils dieser Einkünfte in klientelistische Netzwerke die Macht der Herrschenden. (… mehr)
Nichts als unbewiesene Anschuldigungen
by Esam Al-Amin (source: junge Welt)
Analyse. Ein genauer Blick auf Zahlen und Fakten zur iranischen Präsidentschaftswahl
Seit den Präsidentschaftswahlen vom 12. Juni 2009 sind die Iran-»Experten« wie Pilze aus dem Boden geschossen. Für all diese selbsternannten Fachleute hier eine Quizfrage: Welches größere Land hat seit 1980 mehr Präsidenten gewählt als alle anderen in der Welt? Und die Zusatzfrage: Welche Nation hat als einzige in der 30jährigen Geschichte seit ihrer Revolution zehn Präsidentschaftswahlen abgehalten? Natürlich lautet die richtige Antwort auf beide Fragen: Iran. Seit 1980 wurden dort sechs Präsidenten gewählt, während die USA mit fünf einen knappen zweiten Platz belegen und Frankreich den dritten. Des weiteren gab es in den USA nach der Revolution drei Präsidentschaftswahlen gegenüber zehn in Iran.
Der Ausgang der iranischen Wahlen hat im Westen die Linke und die Rechte zusammengeschweißt und harsche Kritiken und Angriffe von »empörten« Politikern und »entrüsteten« Mainstream-Medien hervorgerufen. Selbst die Bloggerszene nahm auf seiten der iranischen Opposition in nahezu einhelliger Uniformität teil an dieser Schlacht; ein bislang nicht gekannter Vorgang im Cyberspace. (… mehr)
Gott gegen Gott in Teheran
Demonstranten wie Verteidiger des Regimes berufen sich auf Allah. Ein Tagebuch von den stillen und gefährlichen Augenblicken des Aufstands.
VON NAVID KERMANI, TEHERAN
Wieder öffnet sich im letzten Moment eine Tür, diesmal ein Rollgitter, um genau zu sein, das Rollgitter eines schmalen Sanitärgeschäfts an einer sechsspurigen Straße, auf der eine Einheit der Basidschis, der Freiwilligenmilizen, heranrückt, etwa hundert Mann mit Helmen, Schilden, Knüppeln und Schutzwesten über der Zivilkleidung. Der Ladenbesitzer, ein kleiner, leicht gebückter Mann mit grauen Haaren und weißem Schnurrbart, zieht das Gitter hinter uns herab. Wir: vier Menschen, die einander nicht kennen, außer mir zwei Männer und eine Frau, unterschiedlichen Alters. (… mehr)
“Es gibt einen Riss in der politischen Elite”
| Interview mit dem Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik, Volker Perthes |
| Der Machtkampf in Iran geht weiter. Volker Perthes, Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik, über die unterschiedlichen Forderungen einer breiten Opposition in Iran, das Ende des Elite-Konsens und den Verlust der politischen Legitimation von Chamenei und Ahmadinedschad.
Der Wächterrat will jetzt noch einmal rund 600 Vorwürfe der Wahlfälschung prüfen. Zugleich hat er am Mittwoch (24.06.09) die Annullierung der Wahl ausgeschlossen, es gebe keine Belege für größere Unregelmäßigkeiten. Wie ernst konnte man bislang und kann man jetzt die Überprüfung überhaupt nehmen? (… mehr) |
Machtkampf in Iran; Es wird einsam um Chamenei
FAZ.NET: Von Rainer Hermann, Abu Dhabi
22. Juni 2009 Mit massiver Präsenz verteilen sich die Sicherheitskräfte in ganz Teheran, stehen entlang aller wichtigen Straßen und an den großen Kreuzungen. Bereit, jede Regung des Protests im Keim zu ersticken. Am Sonntag ging die Rechnung auf. Nur wenige trauten sich auf die Straße, und so blieb es ruhiger als am blutigen Samstag. Am Montag nachmittag wird allerdings schon wieder von Protesten auf dem Straßen berichtet. Nach Angaben von Augenzeugen demonstrierten rund tausend Menschen. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein. 50 bis 60 Menschen seien festgenommen worden. (mehr …)
Revolte in Iran; Das wichtigste Ereignis unserer Zeit
FAZ.NET: Von Nils Minkmar
21. Juni 2009 Ich konnte mal den Satz „Da kommt ein Auto!“ auf Farsi rufen. In der neunten Klasse hatte die Schulverwaltung drei Jungen, deren Familien aus Iran in die deutsche Provinz geflohen waren, in unsere Klasse herabrieseln lassen. Wir haben uns rasch angefreundet. Skateboards waren in Mode; die Jungs hatten bald raus, dass, während wir in Einfahrten kreisten, die Straße nicht umsonst Fahrbahn heißt; Hinweise auf die Straßenverkehrsordnung oder die Überlegenheit eines Pkws im direkten Kontakt mit einem Skater in Shorts und T-Shirt fanden sie ulkig. (mehr…)
Artikels auf anderen Sprachen
3. Auf Französisch
